Unter dem Titel „Land der Möglichkeiten – Fit für Zukunftsberufe in der Metropole Ruhr“ hatte der Initiativkreis Ruhr (IR) zur Diskussion mit Lehrern sowie Vertretern seiner Mitgliedsunternehmen und Bildungsinstitutionen nach Dortmund eingeladen. Im Mittelpunkt: die Zukunftsberufe im Ruhrgebiet. Hauptaugenmerk lag dabei auf der gewachsenen Rolle der so genannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Gemeinsam sollen Wege gefunden werden, klassische Männer-Jobs für Frauen attraktiver zu machen. Einhellige Meinung der Teilnehmer aus Wirtschaft und Schule: Um dem Fachkräftemangel an gut ausgebildeten und kreativen Köpfen in der Region entgegen zu wirken, müssten alle an einem Strang ziehen. Der verstärkten Zusammenarbeit von Unternehmen und Schulen kommt hier eine besondere Bedeutung zu.
Schüler für mathematisch-naturwissenschaftliche und technische Berufe begeistern
Im Ruhrgebiet besteht ein großer Bedarf an naturwissenschaftlich und technisch ausgebildetem Personal. Viele Berufsbilder und Wirtschaftsbranchen werden bei jugendlichen Berufseinsteigern jedoch kaum wahrgenommen oder erscheinen unattraktiv – dabei bieten gerade die Technik-, IT- und Versicherungsunternehmen im Ruhrgebiet überdurchschnittlich gute Berufsperspektiven. Die Teilnehmer des Workshops des Initiativkreises suchten heute nach Lösungen, mit denen Schulen, Bildungseinrichtungen und Unternehmen das Interesse der Jugendlichen für Zukunftsberufe wecken können. Ein Ziel ist der frühzeitige Kontakt von Firmen zu potenziellen Nachwuchskräften, um sie für ihre Branche und Berufsbilder zu begeistern.
Die Initiativkreis Ruhr fordert deshalb seine Mitgliedsunternehmen auf, Schülern insbesondere Naturwissenschaft und Technik mit Tagen der offenen Tür und ähnlichem näher zu bringen. „Die Entwicklungschancen und Gehälter in diesen Berufen sind überdurchschnittlich. Wir brauchen aber gezielte Maßnahmen, um dem Nachwuchskräftemangel entgegenwirken zu können. Wir werden auch zukünftig am Industriestandort Ruhrgebiet erstklassig ausgebildete Fachkräfte brauchen“, so Jan-Peter Nissen, Geschäftsführer des Initiativkreises Ruhr.
Mädchen für Männerdomänen interessieren
Weitere Erkenntnis aus den Workshops: Ingenieurswissenschaften und IT finden viele Mädchen – noch immer − langweilig. Kein Wunder, dass es nur wenige Frauen gibt, die später in diesen Bereichen arbeiten. Trotz Mädchenförderung beträgt der Frauenanteil unter Mathematikern und Physikern nur 15 Prozent. Bei Studentinnen in Ingenieurswissenschaftlichen Fächern macht er sogar lediglich zehn Prozent aus. Gerade die Kompetenzen junger Frauen werden aber zunehmend von Unternehmen benötigt. Deshalb forderten die Veranstaltungs-Teilnehmer heute die Firmen entlang der Ruhr auf, Kampagnen zu starten, um Frauen als Mitarbeiterinnen zu gewinnen. Beteiligungen der Unternehmen an Girl´s Days oder Patenschaften von Frauen in MINT-Berufen mit Schülerinnen sind mögliche Wege.
Roberta-Zentrum begeistert Mädchen
Die zdi-Zentren (Zukunft durch Innovation) des Landes NRW versuchen bereits, über praxisnahe Erfahrungen junge Mädchen für naturwissenschaftliche und technische Berufe zu begeistern: In 8 zdi-Roberta-Zentren der Region erhalten vornehmlich Mädchen ab zehn Jahren Einblicke in die Welt von Robotern. Klaus Trimborn, Projektleiter zdi-Zentrum Bochum, erklärte den Gästen das Konzept: „Wir wollen Schülerinnen mit der Begeisterung für Wissenschaft und Forschung anstecken. In unseren Laboren können sie an speziell Mädchen ansprechenden Themen unter annähernd professionellen Bedingungen mit Technik experimentieren oder naturwissenschaftlich forschen.“
Um dem Fachkräftemangel an gut ausgebildeten und kreativen Köpfen in der Region entgegen zu wirken, müssten nach einhelliger Meinung der Teilnehmer aus Wirtschaft und Schule alle an einem Strang ziehen – ganz im Sinne der Gemeinschaftsoffensive „Zukunft durch Innovation.NRW“.
Türöffner: Praktika und Abschlussarbeiten in Unternehmen
Generaldirektor Reinhold Schulte begrüßte die Teilnehmer in den neuen Kongressräumen der SIGNAL IDUNA Gruppe in Dortmund und stellte das Unternehmen und die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten im Hause vor. Mitarbeiter des Versicherers brachten den Gästen dann das Tätigkeitsfeld Assekuranz näher, in dem bundesweit rund 220.000 Menschen beschäftigt sind – Tendenz steigend! Besonders gut stehen die Chancen für Akademiker; derzeit werden insbesondere Mathematiker, Produktentwickler, Wirtschaftswissenschaftler und Informatiker gesucht. Zudem sind Akademiker – unabhängig von ihrer Ausrichtung – mit einer großen Affinität zum Vertrieb von großem Interesse für die Versicherungswirtschaft. Als guten Einstieg in diesen Arbeitszweig nannten die Referenten insbesondere Praxiserfahrung: Praktika sowie Semester- und Abschlussarbeiten in Unternehmen seien häufig ein hervorragender Türöffner.
In den weiteren Workshops wurden auch allgemeinere Themen ausgearbeitet – immer mit dem Ziel, die Anforderungen an die Bildungsarbeit aufzuzeigen und konkrete Handlungsmöglichkeiten für Lehrer, Bildungsträger, aber auch für die Verantwortlichen in Unternehmen zu finden. Die Teilnehmer waren sich einig, dass eine enge Kooperation zwischen Wirtschaft und Schule der Garant für einen gelungenen Übergang von Schule zu Ausbildung ist. Gemeinsame Forschungsprojekte, Praktika, Präsentationen auf Jobbörsen und die Entsendung von Unternehmensexperten in den Unterricht sind Beispiele hierfür. „Mich hat begeistert, mit wie viel Engagement die Teilnehmer in den Workshops gearbeitet haben, so Reinhold Schulte, Vorstandsvorsitzender der SIGNAL IDUNA Gruppe.
Jan-Peter Nissen dankte der SIGNAL IDUNA Gruppe für die Unterstützung und wies noch einmal auf die Wichtigkeit dieses jährlich stattfindenden Zusammentreffens für den Standort Ruhrgebiet hin: „Der Zukunftsworkshop ermöglicht es, dass sich alle Seiten kontinuierlich austauschen. Der Initiativkreis schafft so eine Kontakt- und Austauschplattform, von der alle profitieren und die den Teilnehmern den Blick über den eigenen Tellerrand ermöglicht.“


