Unter dem Titel „Perspektive Technik – Schüler für Naturwissenschaften begeistern“ hatte der Initiativkreis Ruhr (IR) gemeinsam mit der Siemens AG und der Gemeinschaftsoffensive „Zukunft durch Innovation.NRW“ (zdi) zur Diskussion nach Essen eingeladen. Im Mittelpunkt des Treffens von Lehrern, Vertretern der IR-Mitgliedsunternehmen und Bildungsinstitutionen: Zukunftsberufe und -branchen im Ruhrgebiet. Hauptaugenmerk lag dabei auf der gewachsenen Rolle der so genannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). In fünf verschiedenen Themenworkshops wurde gemeinsam auch nach Wegen gesucht, Technik-Jobs für Frauen attraktiv zu machen. Einhellige Meinung der rund 120 Teilnehmer aus Wirtschaft und Schule: Um dem Fachkräftemangel an gut ausgebildeten, kreativen Köpfen in der Region zu begegnen, sind Kooperationen entscheidend. Der verstärkten Zusammenarbeit von Unternehmen, Übergangsbegleitern, Schulen und Hochschulen kommt hier eine besondere Bedeutung zu.
Spaß an Mathe und Physik wecken
Im Ruhrgebiet besteht ein großer Bedarf an naturwissenschaftlich und technisch ausgebildetem Nachwuchs. Viele dieser Berufsbilder werden bei Schulabsolventen jedoch kaum wahr-genommen oder erscheinen unattraktiv – dabei bieten gerade die Technik- und IT-Unternehmen hervorragende Berufsperspektiven. Die Landesinitiative zdi fördert schon seit Jahren Technikangebote an Schulen in ihren lokalen Netzwerken und in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen wie der Siemens AG.
„Wir brauchen diese gezielten Maßnahmen, um dem Nachwuchskräftemangel entgegenwirken zu können; wir werden auch künftig am Industriestandort Ruhrgebiet erstklassig ausgebildete Fachkräfte benötigen“, so Jan-Peter Nissen, Geschäftsführer des IR. Die Teilnehmer des Workshops diskutierten heute über praxisnahe Unterstützungsangebote, mit denen Schulen, Bildungseinrichtungen und Unternehmen das Interesse der Jugend für Zukunftsberufe wecken können. Ein Ziel ist die frühzeitige Heranführung an Technikthemen, wie es etwa ThyssenKrupp mit dem IdeenPark im Sommer dieses Jahres in Essen initiiert. Der IR fordert seine Mitgliedsunternehmen auf, Schülern insbesondere Naturwissenschaft und Technik mit konkreten Angeboten, wie Tagen der offenen Tür, Experten im Unterricht, Praktika und individuelle Schulprojekte etc. näher zu bringen.
Fit für die Praxis: Was die Wirtschaft erwartet
Herbert K. Meyer, Leiter der Siemens AG Region West, begrüßte als Hausherr die Work-shop-Teilnehmer in der Essener Siemens-Zentrale. Er stellte den Technologiekonzern sowie dessen vielfältige Berufschancen, Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten vor: Eigene Berufskollegs und Bildungseinrichtungen gerade für IT- und Ingenieurberufe, technische sowie kaufmännische Ausbildungs- und duale Studiengänge gehören zum reichhaltigen Angebot der Siemens AG, die mit rund 10.000 Ausbildungsplätzen, davon 1.600 allein in NRW, einer der größten privaten Ausbilder und damit Trendsetter in Deutschland ist. Als guten Einstieg in die Arbeitswelt nannte Meyer insbesondere Praxiserfahrung: Praktika sowie Semester- und Abschlussarbeiten bei Unternehmen seien hilfreich bei der Orientierung junger Menschen und häufig auch ein hervorragender Türöffner. „Siemens ist sehr technikorientiert. Daher müssen wir die Jugend für unsere Berufsbilder begeistern, frühzeitig abholen und attraktiv bleiben“, so Meyer in der Diskussion.
Mädchen für Männerdomänen begeistern
Für Technik, Ingenieurwissenschaften und IT interessieren sich immer noch zu wenig Mädchen, weshalb es nur wenige Frauen gibt, die später in diesen Bereichen arbeiten. Trotz Mädchenförderung beträgt der Frauenanteil unter Mathematikern und Physikern nur 15 Prozent – bei Studentinnen in ingenieurwissenschaftlichen Fächern ist er noch geringer. Deshalb forderten die Veranstaltungsteilnehmer, Kampagnen in den Schulen zu starten, um Frauen für MINT-Fächer zu begeistern, etwa in Form attraktiver Vorbilder. Beteiligungen der Firmen an Girl´s Days oder Patenschaften von Frauen in MINT-Berufen für Schülerinnen sind mögliche Wege, die seit Jahren auch bei Siemens beschritten werden.
Landesinitiative unterstützt aktiv die Berufsfindung
Die 34 zdi-Zentren des Landes, die vor Ort mit Technikangeboten den Unterricht unterstützen, gehen mit gezielten Angeboten an Schülerinnen ebenfalls diesen Weg: Sie zeigten beim Zukunftsworkshop exemplarisch mit dem Schüler-Labor der Universität Duisburg-Essen und Physikexperimenten zum Ausleihen, wie Naturwissenschaften anschaulich den Bezug zum Alltag herstellen können und Physikerinnen und Physiker im Beruf arbeiten.
Übergang effektiver gestalten
Einer der fünf Themenworkshops beschäftigte sich mit dem Erfolgsmodell „U25“ der Sozialagentur Mülheim an der Ruhr. Das Mülheimer Modell ist Referenzkommune für das neue Übergangssystem Schule-Beruf in NRW, Abgangsschüler frühzeitig bedarfsgerecht und nachhaltig auf dem Weg ins Erwerbsleben zu begleiten. Die U25-Mitarbeiter übernehmen Mittlerfunktionen zwischen Jugendlichen und örtlichen Arbeitgebern, den Verbänden und Schulen. Die Workshop-Teilnehmer interessierten sich vor allem dafür, wie die Adaption des Modells auf andere Städte möglich ist.
In weiteren Workshops und bei der abschließenden Diskussionsrunde wurden die Ergebnisse mit allen Teilnehmern diskutiert – immer mit dem Ziel, die Anforderungen an die Bildungsarbeit aufzuzeigen und konkrete Handlungsmöglichkeiten für Lehrer, Bildungsträger, aber auch für Verantwortliche in Unternehmen zu finden. Jan-Peter Nissen dankte der Siemens AG für die Unterstützung und unterstrich die Wichtigkeit des jährlich stattfindenden Zusammentreffens für die Region: „Der Zukunftsworkshop ermöglicht es, dass sich alle Seiten kontinuierlich austauschen. Der Initiativkreis schafft auf diese Weise eine Kontakt- und Austauschplattform, von der alle profitieren.“


