Zukunftsworkshop „Wirtschaft & Schule“ 2013: Initiativkreis Ruhr fördert gezielte Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Schulen

Unter dem Titel „Verkürzte Schulzeit und Neues Übergangssystem – Platz für Wirtschaftsthemen?“ hatte der Initiativkreis Ruhr (IR) heute in die Haniel-Akademie zur Diskussion nach Duisburg eingeladen. Experten aus Wissenschaft, Bildungsinstitutionen und Schulen stellten ihre praktischen Erfahrungen vor und diskutierten konkrete Empfehlungen und Handlungsoptionen. Im Mittelpunkt des Treffens: Wie können Praxisangebote der Unternehmen in der verkürzten Schulzeit (G8) und im Neuen Übergangssystem Schule – Beruf (NÜS) optimal eingebunden werden – und wie können Erfolgsmodelle im Ruhrgebiet besser vernetzt und koordiniert werden?

Mit der Einführung des G8-Modells zum Abitur nach zwölf Jahren bleibt an vielen Oberstufenklassen wenig Raum für außerschulische Angebote. Hauptaugenmerk bei dem heutigen Zukunftsworkshop lag deshalb auf der veränderten Rolle von Praxiskontakten von Wirtschaft und Schule sowie deren Vereinbarkeit vor dem Hintergrund des Neuen Übergangssystems Schule – Beruf in NRW. In fünf verschiedenen Themenworkshops wurden Projekte aus der Praxis vorgestellt und gemeinsam nach Lösungen gesucht. Einhellige Meinung der rund 120 Teilnehmer: Um den gestiegenen Anforderungen des neuen Systems gerecht zu werden, sind inhaltlich eng verzahnte Kooperationen entscheidend. Der passgenauen Zusammenarbeit von Unternehmen, den Übergangsinstitutionen und Bildungsbüros sowie den Schulen kommt hier eine besondere Bedeutung zu.

Brücken bauen zwischen Schule und Wirtschaft

Der heutige Gastgeber Haniel und die Haniel-Stiftung fördern ab kommendem Jahr ein Projekt an der Aletta-Haniel-Gesamtschule in Duisburg, das sich von Hessen bis Niedersachsen bereits in mehreren Bundesländern bewährt. Die „Talent Company“ der Strahlemann-Initiative baut erfolgreich Brücken zwischen Schule und Wirtschaft und bringt so Unternehmen und Schüler zusammen. Die Jugendlichen werden dabei unterstützt, ihre persönlichen Stärken und Talente noch besser zu erkennen und für die Berufswahl zu nutzen. Dazu wird an den Schulen ein eigener Fachraum für die Berufsorientierung eingerichtet, wo alle Informationen gebündelt werden – in Form von Workshops oder Unterrichtseinheiten ebenso wie durch Einzelberatungen. Außerdem beinhaltet das Konzept die gezielte Einbindung der Unternehmen vor Ort. Deren Mitarbeiter unterstützen mit Bewerbungstipps und konkreten Ausbildungs- oder Studienangeboten. „Wir brauchen solche Maßnahmen im Ruhrgebiet, um Jugendlichen Hilfestellungen auf dem Weg ins Berufsleben zu geben und damit dem Mangel an Nachwuchskräften aktiv entgegenwirken zu können“, so Jutta Stolle, Direktorin ZA Gesellschafter + Nachhaltigkeit, Franz Haniel & Cie. GmbH.

KSW-Patenschaften mit Vorbildcharakter

Lernpatenschaften sind eine weitere Möglichkeit, schon frühzeitig in der Schule zu wirken und sich gesellschaftlich zu engagieren: Das Kooperationsnetz Schule – Wirtschaft (KSW), vorgestellt von einem Betreungslehrer und der IHK Mittleres Ruhrgebiet vermittelt zum Beispiel Lernpaten aus Unternehmen an Schulen. Schülerinnen und Schülern wird so ein praxis- und wirtschaftsnaher Unterricht ermöglicht. Seit Jahren stimmen die über KSW verbundenen Schulen und Unternehmen ihre Kooperation eng an den gegenseitigen Bedürfnissen und Lehrplänen ab – und abseits direkter „Nutzungsinteressen“ durch die Betriebe: Nicht der Berufseinstieg in das kooperierende Unternehmen steht im Vordergrund, sondern der langfristige fachliche und kulturelle Mehrwert, etwa über Fachvorträge im Unterricht, Nachhilfeprogramme oder Berufsfelderkundungen. In einer guten Patenschaft tritt dann auch mal die Schülerband beim Betriebsfest auf.

Konkrete Handlungsempfehlungen für eine gezieltere Zusammenarbeit

In den Vorträgen, Themenworkshops und der abschließenden Diskussionsrunde wurde schnell deutlich, dass die aktuellen schulischen Rahmenbedingungen mit der Schulzeitverkürzung (G8) und dem Neuen Übergangssystem Schule – Beruf (NÜS) alle Akteure vor neue Herausforderungen stellt. Gleichzeitig betonten die Teilnehmer in der Abschlussdiskussion die Aktualität und den wichtigen Stellenwert von Praxiskontakten für die jungen Menschen, aber auch für die Entwicklung von Schulen.

Konkrete Handlungsempfehlungen, wie die Zusammenarbeit gezielter angesetzt werden kann, wurden etwa in dem Wunsch nach einer stärkeren Einbindung von Wirtschaftsaspekten in den laufenden Unterricht genannt. Eine bessere Koordination auch über die eigene Schule hinaus stellt eine weitere praktische Forderung der teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrer dar. Die Unternehmen ihrerseits artikulierten den Wunsch nach deutlicheren Schnittstellen und Verantwortlichkeiten in der Zusammenarbeit vor Ort.

Jan-Peter Nissen, Geschäftsführer des Initiativkreises Ruhr, zog ein positives Resümee und dankte Haniel und hierbei insbesondere Jutta Stolle für die Unterstützung. Er unterstrich die Bedeutung des jährlichen Zusammentreffens der Bildungsakteure für die Region: „Der Zukunftsworkshop ermöglicht es, dass sich alle Seiten kontinuierlich austauschen, ihre Bedürfnisse abstimmen und die Zusammenarbeit koordinieren. Der Initiativkreis schafft auf diese Weise eine Kontakt- und Austauschplattform, von der alle profitieren.“



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