Initiativkreis Ruhr vergibt erstmals Alfred-Herrhausen-Laureate
Preisträger kommen aus Köln und Eichstätt-Ingolstadt. Der 1. Preis wurde nicht vergeben. Veröffentlichung der Texte im Handelsblatt geplant.
Am 30. Januar 2010 wäre Alfred Herrhausen 80 Jahre alt geworden. Der Initiativkreis Ruhr hat dies zum Anlass genommen, gemeinsam mit dem Handelsblatt erstmals einen nationalen Essay-Wettbewerb auszuschreiben. Eine erfreulich hohe Anzahl von 60 qualifizierten Einsendungen zum Thema „Alfred Herrhausen heute: Ethische Grundlagen des Unternehmertums.“
Bei der Preisverleihung im Erich-Brost-Saal auf Zollverein gab der Jury-Vorsitzende Dr. Wulf H. Bernotat heute die ausgezeichneten Essayisten bekannt: Christopher Krämer (27), Student der Volkswirtschaft an der Universität Köln erhielt den zweiten Preis für sein Essay „Wie ein Zahnrad in einer komplexen Maschine“. Den dritten Platz teilen sich Eva-Maria Simon (25) und Stefan Heß (28). Unter dem Titel „Nicht zu Ende gedacht“ konstatiert Simon, die ebenfalls an der Universität Köln Volkswirtschaftslehre studiert, dass es heute wie damals der Stolz eines jeden erfolgreichen Unternehmers sein sollte, wenn es seinen Beschäftigten gut ginge. Stefan Heß, der Ökonomie in Eichstätt-Ingolstadt studierte, beschäftigte sich mit den Risiken, die Menschen auf sich nehmen, die an exponierter Stelle Verantwortung übernehmen. Alle Texte sollen im Handelsblatt veröffentlicht werden.
Dr. Wulf Bernotat begründete die Jury-Entscheidung, im ersten Jahr den ersten Preis nicht zu vergeben, mit dem hohen Stellenwert, den der Preis langfristig erreichen soll: „Wir freuen uns über die gute Beteiligung, sind aber der Ansicht, dass die Qualität aber noch steigerbar ist. Wir möchten gemeinsam mit dem Handelsblatt und den Hochschulen daran arbeiten, dass die Form des wissenschaftlichen Essays, die in Deutschland etwas zu kurz kommt, von den Ökonomen besser beherrscht wird. Es ist wichtig, dass Studierende ihr Wissen sprachlich interessant und überzeugend vermitteln können. Für uns ist dies ein weiterer Grund, diesen Wettbewerb fortzuführen."
In diesem Jahr wurden also zwei dritte Plätze, die mit jeweils 2.500 Euro dotiert wurden, und ein zweiter Platz, der mit 5.000 Euro honoriert wird, vergeben.
Themen und Texte
Der mit Platz zwei bestplatzierte Christopher Krämer ist ethisches Verhalten nichts, was in Power-Point-Folien gequetscht werden kann. Es gäbe keinen Schalter für Moral. Sie müsse vielmehr aus einer inneren Haltung heraus kommen, um authentisch zu sein. Seine Schlussfolgerungen zieht er dabei aus der Realität: Millionen-Boni, massenhafter Arbeitsplatzabbau, Firmenpleiten und Kündigungen wegen des Diebstahls von Frikadellen.
Eva-Maria Simon ist der Ansicht, dass es heute wie damals der Stolz eines jeden erfolgreichen Unternehmers sein sollte, wenn es seinen Beschäftigten gut ginge. Der Mensch mit all seinen Fähigkeiten sei die wichtigste Ressource der Wirtschaft.
Einen anderen, sehr persönlichen Blickwinkel verfolgt Stefan Heß: Er selbst hatte als kleiner Junge das Attentat auf Alfred Herrhausen aus unmittelbarer Nähe miterlebt, da sein Elternhaus nur wenige Meter von dem Ort entfernt stand, an dem Herrhausen so brutal ermordet wurde. In seinem Essay diskutiert der Betriebswirtschaftler das „Warum“ und machte auf die Gefahren aufmerksam, wenn Menschen in der Öffentlichkeit Stellung beziehen.
Erfolgsgeschichte mit Fortsetzung
Christa Thoben, Ministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein Westfalen, zeigte sich sichtlich erfreut über die Initiative von Handelsblatt und Initiativkreis Ruhr, jungen Menschen in der heutigen Zeit den Anstoß für derartige Gesellschaftsdiskussionen zu geben.
Peter Lampe, Vorsitzender Geschäftsführer des Initiativkreises Ruhr, sprach in seiner Rede über das Vermächtnis Alfred Herrhausens: „Auch im Ruhrgebiet hat Alfred Herrhausen das intellektuelle Fundament mitbestimmt. Und dieses wirkt immer noch nach. Der Initiativkreis Ruhr ist maßgeblich auf seine geistige Vorarbeit zurückzuführen. Er hat das Notwendige getan und das Ruhrgebiet auf dem Höhepunkt seiner Stahlkrise in neue Bahnen gelenkt. Unser Credo „Kräfte bündeln und Innovationen fördern“ ist also Erbe und Auftrag zugleich für den Initiativkreis.“
Die hohe Resonanz auf die Ausschreibung und die Wichtigkeit des Vermächtnisses von Alfred Herrhausen sprechen für die Aktualität dieses Themas. Aus diesem Grund hat der Initiativkreis Ruhr beschlossen, den Alfred-Herrhausen-Laureate auch in Zukunft an deutschen Universitäten auszuschreiben.
Die Jury
Zu der Jury zählen unter Vorsitz von Dr. Wulf H. Bernotat, Moderator des Initiativkreises Ruhr und Vorstandsvorsitzender der E.ON AG, Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe, Jürgen Fitschen, Vorstandsmitglied Deutsche Bank AG, Traudl Herrhausen, Hermann-Josef Knipper, stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts, Andreas Platthaus, Feuilleton-Redakteur der FAZ und Herrhausen Biograf sowie Prof. Dr. Christoph Schmidt, Präsident des RWI in Essen.
Quelle: Initiativkreis Ruhr
Tag der Veröffentlichung: 27.01.2010










