Fachleute diskutieren Ruhr2030Index und erläutern, wo die Metropole Ruhr heute steht
Ruhr2030Index
RWI-Präsident Prof. Dr. Christoph Schmidt und der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, Prof. Dr. Michael Hüther, analysieren Ergebnisse und erläutern Entwicklung der Region: Wenig Fortschritt, dafür viel Nachholbedarf an Verkehrsinfrastruktur, Bildung und Fortschritt sowie am Arbeitmarkt – Wirtschaftsindikatoren indes stabil.
Die Metropole Ruhr muss weiter aufholen, um in 20 Jahren zu den TOP-Regionen in Deutschland zu zählen. Zu diesem Ergebnis sind heute die Beteiligten der Veranstaltung „Ruhr2030Index – Wo steht die Metropole Ruhr heute?“ auf Schloss Horst gekommen. Der Initiativkreis Ruhr hatte zusammen mit der Wirtschaftsförderung metropoleruhr nach Gelsenkirchen eingeladen, um die aktuellen Ergebnisse des Ruhr2030-Indexes vorzustellen. Der Index wurde 2008 entwickelt, um die Entwicklungsschritte der Region zu messen, die sich an dem Strategiepapier Zukunft Ruhr2030 des Initiativkreises Ruhr orientieren.
Experten aus Politik und Wirtschaft kommentieren Ergebnisse
Die Ergebnisse erläuterten Experten wie Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, Prof. Dr. Christoph M. Schmidt, Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung, Prof. Dr. Burkhard Schwenker, Vorsitzender der Geschäftsführung Roland Berger Strategy Consultants und Persönliches Mitglied im Initiativkreis Ruhr, Frank Baranowski, Oberbürgermeister der Stadt Gelsenkirchen, und Dr. Michael Henze, Leiter der Abteilung „Strukturpolitik, Mittelstand, Raumordnung“ im Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.
Ruhr2030Index ist wichtiges Werkzeug, um die Entwicklung der Region zu messen
Schon im ersten Jahr nach der Nullmessung erweist sich der Index als wichtiger Wegweiser für die Region. Der Ruhr2030Index für 2009 (48,37 Punkte) fiel gegenüber der Nullmessung aus dem Vorjahr (50,9 Punkte) etwas schlechter aus. Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Prof. Dr. Michael Hüther: „Die Abnahme des Wertes kann auf die Frühphase der Wirtschaftskrise zurückzuführen sein. Sie beschreibt eine Wachstumspause, sagt aber nichts über die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen aus. Abzuwarten ist jedoch, wie sich die Daten aus 2009 auf den diesjährigen Index auswirken werden. Es ist allerdings nicht grundsätzlich damit zu rechnen, dass sich das Ergebnis für das Ruhrgebiet weiter verschlechtert.“
Wirtschaft im Ruhrgebiet weiter stabil
Die Wirtschaft in der Metropole Ruhr schneidet laut Index im Gegensatz zu anderen betrachteten Handlungsfeldern stabil ab: „Investitionen zählen zu den wichtigsten Motoren für das Wirtschaftswachstum“, appelliert der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung Prof. Dr. Christoph M. Schmidt. Betrachte man den Ruhr2030Index als Übung, habe sie einen entscheidenden Vorteil: „Sie bringt Objektivität in diese Debatte.“ Zu der Notwendigkeit messbarer Indikatoren fügt er hinzu: „Wir müssen das Bewusstsein für Defizite stärken.“
Schmidt sieht Nachholbedarf bei Bildung und Forschung
Der Ruhr2030Index 2009 zeigt aber auch deutlich, dass die Metropole Ruhr nach wie vor sowohl in der Bildung als auch in der Forschung aufholen muss: Und zwar im (vor-)schulischen Bereich genauso wie in der akademischen Ausbildung und Innovationsleistung. Schmidt: „Es muss eine Bildungsoffensive geben.“ Diese müsse Bildung und Forschung stärken und für einen besseren Wissenstransfer sorgen.
Peter Lampe, Vorsitzender Geschäftsführer des Initiativkreises Ruhr: „Wir werten die Analysen des Ruhr2030Indexes als Zeichen, dass die Metropole Ruhr mit ihren Schwerpunkten Energie, Werkstoffe und Logistik auf die richtigen Branchen und Technologiefelder setzt. Die Ergebnisse bestärken uns auch darin, innovationsfördernde Aktivitäten und die Bildung junger Menschen weiter zu fokussieren.“ Hanns-Ludwig Brauser, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung metropoleruhr: „Die Ergebnisse des Ruhr2030Indexes bestärken uns darin, unsere Kompetenzfelder wie Energie oder Logistik weiter voranzutreiben. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass noch viel zu tun ist, bis wir in die erste Liga der Metropolen aufsteigen. Neben der Verbesserung der Verkehrssituation sind insbesondere weitere Anstrengungen zur Steigerung der Lebensqualität notwendig, um kreative Köpfe und Know-how in der Region hervorzubringen, zu binden und von außen anzuziehen.“
Verkehrsinfrastruktur muss besser werden
Der Gesamtindex ist im Vergleich zu Vorjahr aber vor allem wegen der schlechten Erreichbarkeits- und Fahrtzeitwerten für die Verkehrswege „Straße“ und „Schiene“ gesunken.
Negative Entwicklungen auf den Arbeitsmarkt
Als überwiegend negativ zeichnet sich auch die Messung der Arbeitsmarktindikatoren ab: Bezeichnend sind hier sowohl die vergleichsweise hohen Arbeitslosenquoten generell als auch die niedrigen Quoten erwerbstätiger Frauen und erwerbstätiger älterer Arbeitnehmer. Dass diesem Trend entgegengewirkt werden muss, zeigt auch die Ruhr2030Index-Unternehmerbefragung. Etwas besser schneidet die Metropole Ruhr bei der wissensintensiven Beschäftigung ab – auch im Vergleich zur Vorjahrsmessung. Dennoch sind auch hier Anstrengungen erforderlich, um diesen positiven Trend zu stützen.
Verbesserungen im Lebens- und Arbeitsumfeld notwendig
Auch das Lebens- und Arbeitsumfeld der Ruhrgebietsbewohner muss dem Index entsprechend besser werden. Das bedeutet, dass die Landes- und Kommunalpolitik – trotz der angespannten öffentlichen Haushalte – auf den relevanten Handlungsfeldern (Wohnen, Freizeit, Kultur) in ihren Anstrengungen nicht nachlassen darf. In den kommenden Jahren sind hierfür insbesondere integrierte Konzepte der Standort- und Stadtentwicklung gefragt. Die bestehenden inter-kommunalen Netzwerke sind herausgefordert, eine nächste Dekade der innovativen Stadt- und Regionalentwicklung einzuleiten. Bei der Kultur wird es darum gehen, das vergleichsweise gute Niveau zu halten. Hier wird die Metropole Ruhr 2011 mit dem Ende des Kulturhauptstadtjahres vor besonderen Herausforderungen stehen.
Quelle: Initiativkreis Ruhr
Tag der Veröffentlichung: 24.02.2010










